Auf Phantom-Jagd in der Werkstattbühne

(Vorschaubild (c) Thilo Beu)

WER IST WALTER feiert Premiere

Nach den ersten beiden Produktionen im Schauspielhaus fiel Anfang Oktober auch der Startschuss auf der Werkstattbühne. WER IST WALTER von Ariane Koch unter der Regie von Simone Blattner läutete die Spielzeit als erste Schauspielpremiere auf der kleinen Bühne des Bonner Schauspiels ein.

Wer oder Was ist Walter und warum macht man darüber ein Theaterstück? – Das ist mit Sicherheit die Frage, die einem als erstes in den Sinn kommt, wenn man über den Titel des Abends stolpert. Zugegeben, die Handlung scheint auf den ersten Blick sehr abstrakt

THEATER BONN: WER IST WALTER
(c) Thilo Beu

zu sein. Fakt – und damit auch das Einzige was man weiß – ist allerdings, dass Walter weg ist. Selbiger lässt sich im Laufe des Geschehens niemals blicken. Jedoch schafft er es, dass fünf weitere Personen über wiederum ihn, oder vielmehr sein Verschwinden, diskutieren. Und genau darum geht es: Um eine Gruppe von Menschen, die über ihre Mutmaßungen bezüglich der Hintergründe und Umstände der Abwesenheit eines andren referieren. Dabei steht aber nicht Walter der Verschwundene, sondern die Diskussionsrunde selbst im Vordergrund. Bei ihrer spektakulären Suche nach Walter beschäftigt die Hobby-Detektive vor allem Eines: Was ist, wenn Walter klüger war als wir alle und er es einfach nur geschafft hat, sich sämtlichen Zwängen zu entziehen? Sprich: Was ist, wenn er jetzt irgendwo im Einklang mit sich selbst ohne jeglichen Stress lebt? Und was noch viel wichtiger ist: Wer ist er dann überhaupt? Ein Held oder das Gegenteil? Existiert er überhaupt noch? Ganz einfach: WER IST WALTER?

Die Gestaltung der Bühne (Martin Miotk) und der Kostüme (Andy Besuch) zeigt, welches Ausmaß die Phantasien über das Verschwinden von, und damit die Suche nach Walter in den Köpfen der Anwesenden angenommen haben. In Kombination mit verschiedenen Lichtstimmungen (Maximilian Urrigshardt) gelang es dem Team die verschiedenen Szenarien möglichst effektvoll darzustellen.

THEATER BONN: WER IST WALTER
(c) Thilo Beu

In der Mitte der Bühne steht ein Podest. Von den Spielern wird selbiges vor allem als eine Art Konferenzraum genutzt, um sich weitere Teilaspekte der Geschichte auszudenken und darüber zu diskutieren. Darum herum befindet sich auf der linken Seite ein Baum mit großen Maiglöckchenblüten und auf der rechten Seite ein großer Felsblock. Weiter hinten ist ein hoher Steg aufgebaut, der von links nach rechts über die Bühne verläuft. Unter ihm ist eine Wasserlandschaft aufgemalt, darüber bilden ein Vulkan, eine Sonne und eine Wildnis-Landschaft das Bühnenbild. Kurz gesagt: Rund um das Konferenz-Podest wurde ein kitschiges und hyperdramatisiertes Bild der Wildnis kreiert. Genauso wie man sich als Laie eine Safari vorstellt. Bei den Kostümen geht es nicht weniger abenteuerlich zu. Am Anfang betreten die Schauspieler die Bühne in Safari-Ausrüstung. Mit Riesen-Rucksack, Hut, Regenjacke und Stiefeln  . Im Laufe des Abends präsentieren sich die fünf Abenteurer in ganz verschiedenen Kostümen. Von mittelalterlichen Gewändern, hautengen Anzügen, Business Klamotten bis hin zu phantastischen Verkleidungen ist alles dabei.

THEATER BONN: WER IST WALTER
(c) Thilo Beu

Fest steht der eine Stunde und 15 Minuten dauernde Abend unter der Regie von Simone Blattner ist vor allem eins: sehr kurzweilig, höchst unterhaltsam und vor allem extrem amüsant. Je mehr Geschichten und Theorien über das Verschwinden von Walter auf den Tisch kommen, desto verrückter und obskurer wird das Spektakel auf der Bühne. Und das kommt im Publikum sehr gut an. Besonders viel Spaß machen allerdings auch die Texte (Dramaturgie Elisa Hempel), da sie die Hirngespinste der fünf Suchenden in jeder Situation treffend zu beschreiben wissen. Daher wäre es ab und zu schöner gewesen, wenn den Texten mehr Raum gelassen worden wäre. Da das Stück insgesamt vor allem sehr visuell geprägt ist.

Den Schauspielern wird auf der Bühne definitiv alles abverlangt. Lena Geyer, Ursula Grossenbacher, Lydia Stäubli, Gustav Schmidt und Klaus Zmorek beweisen alle eine extreme Wandelbarkeit und glänzen durchweg mit einer überzeugenden Darstellung der Geschehnisse. Egal ob sie auf der Suche nach Walter etliche Male über die Bühne rennen, in die verschiedensten und absurdesten Rollen schlüpfen oder singen. Die musikalischen Momente (Christopher Brandt) bringen viel Abwechslung mit in den Abend und sorgen für vergleichsweise ruhige Kontraste nach einer weiteren Diskussionsrunde über das Verschwinden von Walter.

Zum Schluss: Ein Besuch lohnt sich! Für jeden ist etwas dabei – einfach anschauen und sich auf den Walter-Epos einlassen.

Weitere Termine im Oktober sind am 16. 18. und 25.

Kim Sterzel

%d Bloggern gefällt das: