Ein Ausflug ins spanische Künstlerleben

Am 10.04.2017 fand die dritte Folge des Fernwehkanals in der Bonner Werkstattbühne statt. Diesmal war das Thema Spanien, das unter anderem das Geburtsland des surrealistischen Künstlers Salvador Dalí ist.

Der Anfang der Selbstinszenierung von Silvana Mammone überraschte mich. Obwohl mir klar war, dass das Stück von Spanien, genauer gesagt von dem Künstler Salvador Dalí handelte, konnte ich die Elemente zunächst in der Vorstellung nicht wiederfinden. Die ersten zehn Minuten der Inszenierung überlegte ich sogar verzweifelt, ob ich im falschen Theater gelandet sei.

Doch schnell wurde mir klar, dass es sich bei dem dargestellten Kind, dass sich nicht in der reellen Welt zurechtfinden konnte, um eine der verschiedenen Episoden aus Salvador Dalís Leben handelte, die vielen Erzählungen und Zitate basierten auf Dalís eigens verfassten Autobiographie „Das Geheime Leben des Salvador Dalí“. Diese Episoden waren zwar chronologisch angeordnet, standen aber in keinem klar erkennbaren Zusammenhang zueinander. Die Schauspieler Daniel Breitfelder und Alois Reinhardt wechselten sich mit dem zitieren von Phrasen und der Darstellung dieser ab, teilweise wurden die Zitate auch aus dem Off gesprochen oder durch spanische Musik unterlegt bzw. abgelöst.

Die ersten beiden Szenen machten einen überzeugenden Eindruck. In der ersten wurden Dalís teilweise größenwahnsinnige Träume vorgestellt, während die zweite Szene seine Unfähigkeit, sich in der echten Welt zurechtzufinden, überspitzt dargestellte. Beispielsweise scheiterte er daran eine Tür auf korrekte Weise zu öffnen. Hierdurch wurde dem Publikum die widersprüchliche Persönlichkeit Dalís nahegebracht. Dieser Aspekt wurde durch die Diskussion der nächsten Szene über die Überlegenheit der Künstler im Vergleich zu den Dichtern vertieft. Hierfür hatten die Schauspieler ihre eher schlichten Kostüme mit dem für Dalí typischen Schnauzer ergänzt.

Von da an wurde die Inszenierung allerdings zunehmend verwirrend. Plötzlich trat Dalí als ein König in Umhang und mit Krone auf, den seine Macht einerseits erfreute, andererseits aber auch verzweifeln ließ. Im Nachhinein lässt sich die pompöse Kleidung als ein Verweis auf Dalís damalige Garderobe sowie auf seine Hochnäsigkeit deuten – während der Vorstellung war dies aufgrund der fehlenden Kontinuität leider schwer erkennbar. An einigen Stellen bewies die Inszenierung, dass weniger mehr ist. Ohne viele Effekte wurde in einer hitzigen Rede von Dalí beklagt, dass es den meisten Menschen an Fantasie fehle, ein für ihn nahezu unerträglicher Zustand. Dabei wurde das Publikum nicht von Überflüssigem abgelenkt, sondern konnte sich ganz auf die sich immer wieder überschlagende Stimme konzentrieren, die durch die vielen Wiederholungen Dalís wahre Wut unterstrich. An diesen Stellen wurde auch die beeindruckende Schauspielleistung deutlich. Meiner Meinung nach waren die vorgestellten Zitate äußerst geschickt gewählt, da die fehlende Fantasie und Individualität in der breiten Bevölkerung ein äußerst brisantes Thema ist und vor allem in der heutzutage globalisierten Welt eine bedeutende Rolle spielt. Die letzte Szene bildete den Höhepunkt der allmählich immer schneller und hektischer werdenden Vorstellung: Die beiden Schauspieler kletterten auf Leitern und schrien aus voller Kehle Dalís Weltansichten bzw. seine Forderungen an die Welt und Gesellschaft hinaus. Die Leitern konnten dabei für das „Erklimmen“ von Dalís Lebensstufen, das Zuspitzen der Inszenierung oder seiner hohen Stellung in der Gesellschaft, vor allem in der Kunstwelt, stehen. Die Weltansichten wurden in dem monotonen Schema „Ja zu …; nein zu …“ verkündet. Dabei setzten die Schauspieler wahllos Begriffe einer Liste ein, wodurch einige der Aussagen gar keinen Sinnergaben. Aber genau diese Spontanität gab der Szene das gewisse Etwas und ermöglichte einen authentischeren Einblick in Dalís Art zu denken. Zudem wurde sie dadurch humorvoller und sprach das Publikum an.

Alles in allem haben mich vor allem der Anfang und das Ende der Inszenierung überzeugt, da an diesen Stellen das Geschehen verständlicher und meiner Meinung nach auch sinnvoller war. Etwas vermisst habe ich die Darstellung von Dalís Beziehung zu seiner Frau Gala, die schließlich ein äußerst wichtiger Faktor seines Privatlebens und seiner Karriere war.

Die Inszenierung wäre vermutlich etwas für Personen gewesen, die sich tatsächlich mit Dalís Lebensgeschichte auskennen. Einige Referenzen wie beispielsweise die fließenden Uhren, hatten natürlich einen hohen Wiedererkennungswert, aber ohne genauere Hintergrundinformationen ist es für den Laien unmöglich, die Szenen in einen Gesamtkontext einzuordnen, wodurch fast der gesamte Reiz der Inszenierung verloren ging.

Jael Keck

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: