For never was a story of more woe than this of Juliet and her Romeo

Am 02. März 2018 wurde eines der wohl bekanntesten Theaterstücke von Paul Stebbings von der American Drama Group in den Kammerspielen in Bad Godesberg inszeniert: Romeo und Julia. Dabei hat sich die Theatergruppe allerdings nicht an der modernen Kalifornien-Version mit Leonardo DiCaprio aus dem Jahr 1996 orientiert, sondern richtet sich ganz und gar nach der ursprünglichen Version der tragischen Liebesgeschichte von William Shakespeare und führt es auch in englischer Sprache auf.

Romeo (Jerome Dowling) und Julia (Aimee Hislop) stammen aus zwei verfeindeten Familien, verlieben sich aber auf einem Maskenball ineinander, ohne von der Identität des jeweils anderen zu wissen. Als diese ihnen offenbart wird, hält dies die beiden aber nicht davon ab, zu heiraten. Durch eine Wende des Schicksals wird Romeo allerdings aus Verona verbannt und Julia von ihrem Vater (David Chittenden) dazu gezwungen, Paris zu heiraten. Mithilfe des Pfarrers (Cameron Harle) schafft es Julia, ihren eigenen Tod vorzutäuschen und somit der Zwangsehe zu entfliehen. Allerdings erfährt auch Romeo von ihrem „Tod“. Ein Brief des Pfarrers indem der ganze Plan beschrieben steht, erreicht Romeo nicht mehr, weshalb er ebenfalls glaubt, Julia sei wirklich gestorben und sich aus Kummer über ihren Tod selbst umbringt, was wiederrum zum wirklichen Selbstmord Julias führt.

Abgesehen von der Kürzung des Stücks um einige Szenen ist das Drama klassisch ausgerichtet. Wie schon zu Shakespeares Zeit ist das Bühnenbild eher zurückhaltend und wird im Laufe des Abends zwar einige Male verschoben, aber niemals komplett ausgetauscht. Auch die Kostüme sind allesamt im Stil des 17. Jahrhunderts gehalten, wobei Mercutios Kostüm durch seine bunten Farben, welche den exotischen Charakter seines Trägers wiederspiegeln, heraussticht. Zudem entspricht auch die Stückfassung Wort für Wort dem von Shakespeare geschriebenen Stück. Auf einige Theaterfans mag diese fehlende Modernität ernüchternd wirken, allerdings wird durch eben diese Zeitlosigkeit der Fokus auf die eigentliche Bedeutung der komplexen Mono- und Dialoge gelegt. Die Schauspieler können sich nicht hinter einer wahnsinnig ausgeklügelten neuen Interpretation des Stückes verstecken, sondern müssen mit ihrer eigenen Leistung dem Publikum das Stück nahebringen und verständlich machen. Erfolg haben dabei vor allem die Gouvernante Julias (Rosie Strobel) und Mercutio (Andrew Nance), wobei sich dies natürlich auf die humorvolle Natur dieser beiden Rollen zurückführen lässt. Vor allem Andrew Nance macht die Anspielungen des Stücks durch seine Schauspielkunst mehr als deutlich. Er schreckt bei der Suche nach Romeo auch nicht davor zurück, unter den Sitzreihen des Publikums nach ihm zu suchen, wodurch er es schafft, der Tragödie eine humorvolle Seite zu verleihen,  die  bis zu seinem Tod anhält.

Das Motiv der Maskerade wird durch – wer hätte es gedacht – maskierte Menschen geschickt verdeutlicht. In einigen Szenen, wie beispielsweise dem Maskenball im ersten Akt, scheinen diese Teil des Bühnenbilds zu sein und verleihen somit der Szene ein sehr passendes elegantes Ambiente. In anderen Szenen laufen sie als Statisten im Hintergrund umher und verdeutlichen somit, dass die Szene an einem belebten Ort stattfindet.

Trotz alledem setzt die Inszenierung detailliertes Wissen über den Ablauf des Stücks oder zumindest ausgezeichnete Englischkenntnisse voraus. Das bloße Wissen über die verfeindeten Familien und das tragische Ende ist also nicht ausreichend. Dem Zuschauer sollten möglichst alle Charaktere und ihre Rolle in dem Stück bekannt sein. Die Inszenierung macht nämlich nicht alle Handlungsstränge und Wendungen deutlich, weshalb fehlendes Hintergrundwissen dazu führen könnte, dass der Zuschauer der Handlung nicht immer ganz folgen kann und sich wundert, weshalb Julias Cousin stirbt oder wieso Julia wieder erwacht, obwohl sie eigentlich hätte tot sein sollen.

Aus diesen Gründen sollten Shakespeareliebhaber, die moderne Inszenierungen satt haben und auf eine klassische Vorstellung hoffen, und zudem kein Problem mit dem ‚Shakespearean English‘ haben, auf jeden Fall die Inszenierung besuchen. Für Theaterbesucher, die auf Spannung und überraschende Wendungen hoffen, wäre die Vorstellung der American Drama Group allerdings nichts.

Jael Keck

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