Und er dreht sich doch…

Zum Abschluss der Fernwehkanal-Reihe reiste das gesamte Regieassistenten-Team bestehend aus Anaïs Durand-Mauptit, Frederik Werth und Silvana Mammone so weit wie noch nie: bis an den äußersten Rand des Sonnensystems: der Planet Pluto sollte das Ziel sein, der eigentlich gar kein Planet mehr ist.

2006 ist der vormals kleinste Himmelskörper zum nun größten Zwergplaneten umdefiniert worden. Was Pluto davon hält und wie das Reisen im All überhaupt aussieht, diesen Fragen gehen dieRegieassistenten am 26.06. in der Werkstattbühne gemeinsam nach, es soll ihr Abschlussprojekt der Spielzeit 2016/17 sein.

Schauspieler Sören Wunderlich eröffnet den als Planet Pluto. Langsam dreht er sich im kleinen Foyer und hält beinahe verträumt einen Monolog über die Einsamkeit in den unendlichen Weiten des Alls. Man schwebt mit ihm durch diese Weiten, vergisst beinahe, dass man im Theater ist, bis ein Störgeräusch auftaucht.

Kurz darauf wird eine Bildübertragung per Videoeinspielung auf Leinwand gestartet und man erhält die Möglichkeit einen Blick in das Cockpit eines Raumschiffs, das von einem alten Raumfahrer und seiner jungen Begleiterin gesteuert wird, zu werfen.

Gespielt wurden diese in bunten futuristischen Anzügen gekleideten Gestalten von Wolfgang Rüter und Lara Waldow. Die beiden machen sind anscheinend auf den Weg in Richtung Pluto. Dabei hören sie eine alte BBC-Sendung, in der der Moderator seine Hörer anlässlich des ersten Aprils glauben lassen will, sie seien zu einem wegen einer einmaligen Verschiebung einiger Planeten für kurze Zeit schwerelos auf der Erde. Es ist ein angenehmes Gespräch zwischen dem betagten Astronauten und seiner jungen Gefährtin. Natürlich würden die meisten Rüters sonorer Stimme auch gebannt lauschen, wenn er eine Staubsaugerbedienungsanleitung vorlesen würde. Waldow hält es bald nicht mehr in dem engen Raumshuttle und sie verlässt kurzerhand das Cockpit – und das Schauspiel. Auf Rollschuhen mit einer Art Taucherbrille vor den Augen und einer aufblasbaren Erde unterm Arm wagt sie sich vor die Werkstattbühne und spielt mit dem blauen Planeten unter der neugierigen Blicken einiger Passanten. Das Bild eines Astronauten, der vom All auf mit der kleinen blauen Erde spielt ist gut nachvollziehbar.

Der Höhepunkt des Abends aber ist das Aufeinandertreffen zwischen den Astronauten und Pluto. Zuerst macht die junge Abenteurerin die Bekanntschaft mit dem kleinen und auch etwas einsam wirkenden Planeten. Durch die Glasscheibe hindurch dürfen sich Waldow und Wunderlich kennenlernen – verzerrte Gesichtsabdrücke, die sie auf das Glas drücken inklusive.

Zum Abschluss lädt Pluto, der nicht nur spricht und ein Bewusstsein hat sondern sich auch sehr gastfreundlich gibt, die Fremden auf eine Tasse blauen Tee ein.

Pluto zu personifizieren ist aufgrund seiner tragikomischen Vergangenheit mit seiner Degradierung vom neunten Planeten unseres Sonnensystems zum unbedeutenden Zwergplaneten natürlich ein naheliegendes aber gelungenes Stilmittel. Den Astronauten ist es im Gespräch mit Pluto sichtlich und spürbar unangenehm dem kleinen Fast-Planeten beizubringen, dass er auf der Erde nun kein Planet mehr ist und der Kleine beweist den Astronauten, wie bedeutungslos solche Kategorien doch eigentlich sind. Schließlich dreht und dreht er sich bloß immer weiter, was er dabei ist, kümmert ihn nicht. Drehen muss er sich ja dennoch. Und durch David Bowies „Space Oddity“ als Abschlusslied hatte der Abend ein durchaus melancholisches Ende.

Besonders reizend an diesem letzten Abend ist, dass Teile der Dialoge von den Regieassistenten selbst geschrieben worden.

Die Fernwehkanal-Reihe findet hiermit für diese Spielzeit ihren Abschluss. Sie hat sich als abwechslungsreiche Spielwiese für die Assistenten erwiesen. Es war überraschend auf welche Art und Weise ein Land und dessen Künstler, Schriftsteller etc. präsentiert wurde. Auch wenn nur Frederik Werth über die Spielzeit hinaus am Theater Bonn bleiben wird, kann man nur hoffen, dass die Reihe fortgesetzt wird.

Lucas Krah

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