„Ich bin Tobbi – Erfinder.“ – „Ich bin Robbi – Roboter.“ „Ein Roboter und ein Erfinder, das trifft sich gut!“

Vorschaubild (c) Thilo Beu

Das diesjährige „Kinderstück“ Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, basierend auf der Fernsehserie von 1972, feierte am 20. November 2015 Premiere in den Kammerspielen Bad Godesberg 

Dramaturgen, Regisseure, Schauspieler und sämtliche andere Beteiligte hatten sich, zugegeben, keine leichte Aufgabe gestellt, als sie in die Fußstapfen der damals sehr beliebten Serie treten wollten. Bis heute werden mit ihr einige schöne Kindheitserinnerungen verbunden. Weswegen ein Mancher vielleicht zunächst vor einem weihnachtlichen Theaterbesuch zurückschreckt. Wozu es meiner Meinung nach aber keinen Grund gibt.

In der gut besuchten Familienvorstellung, am Sonntag, den 29. November, saß ich nun, das ansprechend gestaltete Programmheft in den Händen haltend und durchlesend, um mir die Wartezeit bis zum Beginn zu versüßen. Unter anderem war darin zu finden: Ein lustiges Rezept für Freundschaft und eine Fliewatüüt-Bauanleitung. Die Stimmung im Saal war passend zur ersten „richtigen“ Vorstellung nach der Premiere – gespannt und voller freudiger Erwartung.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Das Abenteuer begann kurz darauf mit Tobbi (Manuel Zschunke), dem Erfinder des sog. Fliewatüüts und dessen erster Begegnung mit Robbi (Alois Reinhardt). Dieser hatte das fahrende, schwimmende und fliegende Gefährt zuvor ohne Tobbis Wissen – nur durch heimliches Kopieren seiner Bauanleitung –aus roten Legosteinen gebaut und draußen auf der Wiese geparkt. Wenig später hatten die beiden auch schon einen Plan ausgeheckt: Eine spontane Reise mit dem Fliewatüüt, um Robbi bei der Erfüllung seiner „unlösbaren Roboterprüfungsaufgaben“ zu helfen.

Der erste Halt wurde an einem Leuchtturm gemacht, die Streifen sollten gezählt werden. So lösbar diese erste Prüfung erschien, so unlösbar erschien dafür nun das Problem des Treibstoffes. Anstatt des  Himbeersafts, mit dem das Fliewatüüt zuvor angetrieben worden war, musste möglichst schnell eine neue Lösung her: Lebertran – den es laut Aussage des Leuchtturmwärters nur am Nordpol zu finden gibt. Es ging also weiter mit dem schnellen Fridolin, dem schnellsten Delfin der Welt – der die beiden Abenteurer zum Nordpol begleitete.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Die Übergänge und Kulissenumbauarbeiten wurden nun geschickt gelöst durch eine fernsehartige Wand und dem Fliewatüüt in Miniaturansicht. Vielleicht gibt es so auf diesem Wegen doch einen Bezug zur Serie? Eine „Reise durch die Zeit“? Zumindest eine sehr clevere Idee, denn der Zuschauer fand sich dadurch wie durch Zauberhand am Nordpol wieder. Die dort zu lösende zweite Aufgabe, die Suche nach dem berühmten Forscher „Zacharias“ (Andrey Kaminsky, der auch viele weitere Rollen übernahm) gestaltete sich ebenfalls als eher knifflig. Tobbi musste vor der Kälte von zwei wie Inuit aussehenden Wesen (Simon Forster und Julia Sewring) gerettet werden –  mit strahlenden, faszinierten und vor Spannung weit aufgerissenen Kinderaugen und lauten Lachern auf ihrer Seite. Währenddessen versuchte Robbi mutig und naiv, jedenfalls so unvoreingenommen und ehrlich wie ein Kind, Kontakte zu den beiden Wesen zu knüpfen.

Dies kam auf den ersten Blick vielleicht etwas irritierend rüber: Ein freundlicher kontaktliebender Roboter, ohne den sehr viele Begegnungen mit den anderen Figuren in diesem Stück gar nicht erst stattfinden würden und im Vergleich dazu der eher kontaktscheue Erfinder. Sie wirkten dadurch fast wie Kind und Erwachsener und gestalteten die einzelnen Episoden  abwechslungsreich und lustig. Wie im nächsten Beispiel. Aufgrund einer Bruchlandung landeten Tobbi und Robbi direkt neben dem eher niedlich geratenem „Lochnessmonster Nessi“ – ein echter Publikumsliebling, der sich vor sensationslustigen Reportern, die ihn fotografieren wollten, flüchtete. . Das Stück überbrachte somit also auch eine indirekte, ernstere Botschaft – freundlich in grünes Pappmaché gehüllt.

Die finale Szene fand in einem mysteriösen Schloss statt. Hier gab es wieder ein Geheimnis zu lüften, für das es guter Teamarbeit bedurfte und auf diesem Wege die Werte der Freundschaft unter Beweis stellte. Auf den letzten Metern wurde nochmal schauspielerisch sowie durch skurrile Figuren (z.B. das kleine Gespenst Ghosty und den Schlossherrn Sir Joshua) alles gegeben. Manch ein Zuschauer war hier vielleicht dann doch mal neidisch auf die Darsteller, welche offensichtlich einen großen Spaß bei ihrer Arbeit auf der Bühne hatten.

Dass auch die jüngsten Zuschauer im Saal die Geschichte gut nachvollziehen können, bleibt neben den passenden Texten auch dem toll gestalteten Bühnenbild (Marc Mahn, Till Nachtmann und Ansgar Silies von der Gruppe PuppetEmpire) zu schulden, welches wie ein Puzzle anmutet: Ein Vorhang verwandelt sich durch ein Stück Silberfolie zu einer Rutsche, die Robbi und Tobbi hinuntersausen – sehr faszinierend! Wie nicht anders zu erwarten, nimmt die Erzählung, trotz stiller Schrecksekunden, ein Happy End. Zum Schluss hängt der Bauplan des Fliewatüüts, wie schon zu Beginn, bei tosendem Applaus an der Wand, während Robbi genüsslich Himbeersaft trinkt. Manchmal muss man also tricksen, um ein Abenteuer erleben zu können.

Und wann baust du dein Fliewatüüt?

Kim Sterzel

 

Die nächsten Termine von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt sowie Eintrittskarten findet ihr hier beim Theater Bonn.

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