KEIN TEXT? – KEIN PROBLEM!

Ensemble Mission Improssible zeigt bestes Improvisationstheater in der Brotfabrik Bonn

Mission Imp(r)ossible – sofort summt die eingängige Titelmusik des Blockbusters im Ohr. Doch es ist nicht Tom Cruise, der die Zuschauer der Brotfabrik am vergangenen Sonntag zu eben jenem Ohrwurm begrüßt, sondern der Moderator Markus Weber-Witzel.

Der Saal ist gut gefüllt und die Stimmung von Beginn an ausgelassen. Es scheinen schon einige Improvisationstheater-erfahrene Zuschauer dabei zu sein. Ein gutes Zeichen, denn wo Fans sind, da scheint es auch eine Spaß-Garantie zu geben.

Die Kunst der Improvisation ist vielleicht einer der schwierigsten Disziplinen im schauspielerischen Bereich, denn sie setzt enorm viel Flexibilität, Kreativität und Spontanität voraus. Die frühere Sendung „Schillerstraße“ feierte einst mit ihrer „Improvisationscomedy“ große Erfolge. Viele Fernsehfilme arbeiten mit einem improvisierten (also keinem festem) Drehbuch und sogar im Tatort wurde schon häufiger improvisiert, zuletzt in der Folge „Gut und Böse“ (2020) – allerdings eher mit mäßigem Erfolg.

Siegessicher: Jan-Niklas Willicks, Sandrine Blanchard. (Foto: Florentine Weber).

Wie genau läuft das Improvisationstheater in der Brotfabrik ab?

Es gibt sieben Darsteller:Wolfgang Werner, Jan-Niklas Willicks (genannt Willi), Tanja Witzel, Daniel Hofinger, Sandrine Blanchard, Simone Weske und Jan Schäfer . Dazu kommen zwei Musiker: Thomas Jakobs (Percussion) und Lorenzo Gioco (Piano), die die Schauspieler besonders bei Gesangseinlagen unterstützen und für die richtige Stimmung am Beginn und Ende des Abends sorgen. Auch sie müssen auf die unterschiedlichen Wünsche des Publikums eingehen können, egal ob Rockballade oder Schlagerhit.

Von den sieben Schauspielern sind vier zugleich Regisseure: Wolfgang, Tanja, Sandrine und Willi. Sie treten gegeneinander mit ihren Geschichten im Wettstreit an. Es gibt insgesamt drei Runden – nach jeder Runde stimmt das Publikum ab, wer seine Geschichte weiter erzählen darf, denn pro Runde hat jeder Regisseur nur knappe fünf Minuten Zeit, zusammen mit den Wünschen des Publikums die ersten neugierig machenden Hinweise seiner Geschichte zu entwickeln. Alles auf der Stelle und alles ohne Absprache.

Beginnen die Schauspieler die ihnen vorgegebene Szene zu spielen, kann der Regisseur sie jederzeit unterbrechen, um durch kleine Verbesserungen den Szenen mehr Pepp zu verleihen. Natürlich unterstützt das Publikum auch hier die Regisseure und jene lassen gerne der Phantasie des Publikums (fast immer) freien Lauf. Dass dabei abstrus-witzige Geschichten entstehen, muss nicht erst gesagt werden.

Nehmen gerade Flugstunden: Jan Schäfer, Daniel Hofinger. (Foto: Andreas Wichmann)

Es entscheidet also der Witz, die Originalität und auch der Spannungsaufbau, wer der vier um die Gunst des Publikums buhlenden Regisseure eine Runde weiterkommt. Und natürlich entscheidet das Publikum durch donnernden Applaus.
Doch die Wahl fällt gar nicht so leicht. Ein kleiner Überblick, was dem Publikum mit seinen eigenen Wünschen, geboten wurde:

Möchten die Zuschauer wissen, wie die Geschichte um das unglückliche Ehepaar Brunhild und Günther (Publikumsnamenswahl) und ihrer sprechenden Sexpuppe Ole ausgeht? (Willis Geschichte)

Oder möchten sie lieber wissen, wie es mit dem schlüpfrigen Paraflug eines Dreierpaares bestehend aus Schauspielern und Intimkoordinator weitergeht? (Tanjas Geschichte)

Was ist eigentlich auf dem Eiffelturm zwischen dem Klavierspieler Lorenzo und dem Balletttänzer Giovanni vorgefallen? (Wolfgangs Geschichte)

Oder welche Geschichte steckt hinter der in der Badewanne des Kremls badenden Olga, die sich vor dem wütenden Vladimir fürchten muss? (Sandrines Geschichte)

Das Rennen entscheidet am Ende Willi mit seiner Ménage-à-trois. Seine komische und wechselhafte Geschichte um das seltsame Trio hat das Publikum überzeugt. Zudem haben die Zuschauer hörbar Spaß an den improvisierten Gesangseinlagen, lyrischen Dialogen und teilweise wirklich knalligen Pointen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, ebenfalls Stichwortgeber zu sein und so fantastische Geschichten auf die Bühne zu zaubern, hat die Möglichkeit am 17. Mai 2023 bei der Bonner Theaternacht Mission Improssible live zu erleben. Alternativ feiert das Ensemble am 30. Juni 2023 mit einer großen Jubiläumsshow sein 10-jähriges Bestehen. Hier wird es eine Besonderheit geben: Die Zuschauer dürfen, wenn sie wollen, sogar selbst auf der Bühne mitspielen.

Rebecca Telöken

Ende gut, alles gut: Wolfgang Werner, Jan-Niklas Willicks, Tanja Witzel, Thomas Jakob (Percussion), Daniel Hofinger, Mitte links: Lorenzo Gioco (Pianist), Mitte rechts: Sandrine Blanchard. Vorne: Simone Weske, Jan Schäfer, Florentine Weber. (Foto: Andreas Wichmann)
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