Mit Scrooge und drei Geistern im Wohnzimmer

Der sprechende Adventskalender in den Kammerspielen

Das Feuer im Kamin brennt, der Weihnachtsbaum glitzert festlich, durch die Fenster sieht man die schneebedeckte Landschaft. Auf dem Boden vor der kleinen Erhebung, die man kaum als Bühne bezeichnen kann, liegen lauter bunte Kissen, dahinter stehen Sofas, Sessel und Klappstühle. Leise Weihnachtsmusik erfüllt den Raum. Zugegeben – das Feuer, der Baum und die Schneelandschaft sind nicht echt, wurden jedoch sehr liebevoll im Foyer der Kammerspiele an die Wand gemalt. Das Ensemble des Theaters Bonn hat sich sichtlich bemüht, eine gemütliche, weihnachtliche Stimmung zu kreieren, und es ist ihm durchaus gelungen. Nach anfänglichem Zögern trauen sich die Kinder immer weiter nach vorne und sitzen schließlich fast alle auf den Kissen direkt vor der Bühne; die Eltern und Großeltern nehmen hinter ihnen auf den Sofas und Sesseln Platz.

Leider bleibt der Raum doch etwas leer – Weihnachtsgeschichten vorlesen ist im Zeitalter von 3D-Filmen und Dolby-Digital-Ton relativ unspektakulär. 800px-marleys_ghost-john_leech_1843Jedoch beweisen die Schauspieler Daniel Gawlowski und Lena Geyer schnell, dass Geschichtenerzählen doch etwas ganz Besonderes sein kann. Vor allem können die beiden wunderbar vorlesen mit ihren geschulten Schauspielerstimmen. Doch es bleibt nicht beim reinen Vorlesen. Gawlowski und Geyer verkleiden sich sporadisch und spielen Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte nach. Gawlowski in Bademantel und Schlafmütze übernimmt dabei die Rollen des alten, verbitterten Scrooge und dessen Angestellten Bob Cratchit, Geyer spielt die drei Geister der Weihnacht. Außerdem werden live auf der Bühne ein paar Soundeffekte produziert.  Natürlich ist vieles spontan und beinahe ohne Requisiten, doch das macht gar nichts. So kommen viele lustige Situationen zustande, und die Kinder werden angeregt, ihre Fantasie zu benutzen. Sie werden sogar selbst in das Stück eingebunden. So bittet „Scrooge“ am Ende einen Jungen ganz vorne, ihm doch mal schnell einen großen Truthahn von Rewe zu besorgen. Dennoch ist nichts Klamauk, die Botschaft von Dickens‘ Geschichte bleibt bestehen: Mitgefühl und Liebe sind viel mehr wert als alles Gold der Welt.

Und so kann auch ein liebevoll gestalteter Vorlesenachmittag (der auch sehr gut mit einem Besuch auf dem Bad Godesberger Weihnachtsmarkt verbunden werden kann) viel mehr wert sein als jedes 3D-Dolby-Digital-Kino-Spektakel der Welt.

Tipp: Kinder kommen kostenlos rein, Erwachsene für nur 5 €! Jeden Adventssonntag um 15 Uhr eine andere Geschichte. Am 11.12.: „Hilfe, die Herdmann’s kommen!“ Am 18.12.: „Der kleine Nick freut sich auf Weihnachten“

Phyllis Akalin

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