Max Moor und die Kunst – Folge 3: Die Kunst für alles und für jeden?!

(Vorschaubild (c) Antonia Schwingen)

Am 20. April startete die dritte Folge der Gesprächsreihe „Max Moor und die Kunst“. Die Kooperation der Bundeskunsthalle und des Theater Bonns thematisierte unter dem Titel „Die Kunst für alles und für jeden?!“ die Kunst im Engpass zwischen inhaltlichem Anspruch und Massenwirksamkeit. Darunter fielen auch die Fragen, inwiefern der materiell-finanzielle Aspekt den Inhalt der Kunst beeinflussen darf, sofern er das überhaupt tut, und ob die Kunst dann noch frei ist?

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Birte Schrein, Schauspielerin im Ensemble des Bonner Theaters, die in ihrem Kurzvortrag „Kultur für alle“ zentrale Fragestellungen des Abends präsentierte und die entsprechenden Hintergrundfakten lieferte. Merkliche Betretenheit der Anwesenden bewirkte die Information, dass Statistiken zufolge lediglich fünf bis zehn Prozent der Menschen verlässliche Besucher kultureller Veranstaltungen repräsentieren. Ein Grund hierfür sei vermutlich der konstant bestehende Zusammenhang zwischen Bildung und sozialem Status.

Die Gäste des bekannten Fernsehmoderators Max Moor, der durch den Abend führte, waren Miriam Tscholl, Leiterin der Bürgerbühne und des Bereichs Theater und Schule am Staatsschauspiel Dresden, Bettina Milz, Referatsleiterin für Theater, Tanz und Musik in der Kulturabteilung der Staatskanzlei NRW sowie der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich.

Nach der Vorstellungsrunde lieferte ein kurzer Film das Fundament für die anschließende Diskussion: Spontan konfrontiert mit der Frage: „Gehen Sie regelmäßig ins Theater und/oder Museum?“, lieferten Passanten auf der Straße verschiedenste Perspektiven von: „Auf jeden Fall – das ist für mich wie eine andere, bunte, lebenswerte Welt“, bis hin zu: „Und wenn es kostenlos wäre – das ist nichts für mich.“ Max Moor leitete daraufhin die Fragestellung weiter an seine Gäste. Während Miriam Tscholl aufrichtig bekannte, nicht mehr zu wissen, wann sie zuletzt im Museum war, antworteten die anderen beiden Diskussionspartner prompt in einem offensichtlichen Anflug von Pflichtbewusstsein unter Angabe des exakten Datums und des jeweiligen Ausstellungstitels.

(c) Antonia Schwingen
(c) Antonia Schwingen

Max Moor bezog sich im Folgenden noch einmal auf die anfangs genannten Zahlenwerte zuverlässiger Kulturnutzer – mit der Frage an seine Gäste, ob die Situation denn „wirklich so schlecht“ sei. Bettina Milz zufolge besteht im Grunde recht großes Interesse an Kultur, aber es muss ständig etwas getan werden. „Aber schließlich interessiert sich ja auch nicht jeder für Fußball!“, räumte sie ein, um Akzeptanz für diejenigen zu schaffen, für die – wie auch für jenen Kandidaten im Kurzfilm – Kunst und Kultur schlichtweg nicht interessant sind.

Im Laufe des Gesprächs ergab sich die Überlegung, woran sich denn eigentlich der Erfolg von Kultur messe. Ohne lange zu zögern, antworteten Miriam Tscholl und Bettina Milz, in der freien Szene sei das Zeichen hierfür ein voller Saal. Laut Wolfgang Ullrich ist die Sachlage im Museum weniger deutlich: Dass Kunst und Kultur anschlagen, zeige sich in vielen Fällen gar nicht direkt vor Ort, sondern erst im Nachhall, und auch dann recht subtil, aber bei genauem Beobachten könne beispielsweise eine gewisse Wahrnehmungssensibilisierung einiger Menschen als Erfolg der Kunst verbucht werden. Ein Profit von Kultur sei also definitiv in dieser Branche gegeben, wenn auch eher indirekt, bemerkbar beispielsweise im gesellschaftlichen Miteinander.

Gegen Ende der Diskussionsrunde bat Max Moor um Hypothesen seiner Gäste, was wäre, wenn es abrupt keine Institutionen zur Kunstvermittlung mehr gäbe. Miriam Tscholl konstatierte diesbezüglich das Fehlen eines stabilen Raumes, in dem Menschen durch gemeinsame Interessen einander entdecken und verbunden werden können. Bettina Milz betonte, das Theater sei „nicht totzukriegen“, zumal es sich hierbei um eine uralte Kulturform handle. Wenn aber der Bereitschaft kein Raum gegeben würde, sich mit Kunst und somit mit Neuem und Fremdem auseinanderzusetzen, so würde dies langfristig zu einer Entfremdung der Menschen führen.

Zuletzt wurde die fiktive Situation in den Raum geworfen, Bill Gates hätte Deutschland das Angebot gemacht, 100 Millionen Dollar in Kultur zu investieren. Nach Verwendungsvorschlägen für eine solche Summe gefragt, regte Bettina Milz an, zeitgenössische Theaterbauten zu errichten sowie Künstler zu stärken. Wolfgang Ullrich hingegen sprach sich dafür aus, keine neuen Theater zu gründen, sondern bestehende Institutionen zu stützen.

Im Laufe der Diskussionsrunde wurden zahlreiche Themengebiete und Aspekte aufgeworfen, die mit Sicherheit dabei helfen, Sinn, Zielgruppe, gegenwärtige und zukünftige Problemstellungen von Kunst und Kultur besser nachzuvollziehen. Mag es auch zu keiner konkreten Antwort auf die Leitfrage gekommen sein – man hat als Zuschauer doch das Gefühl, dass man sich durch derartige Gespräche allmählich dem Verständnis dafür annähern kann, was Kunst bzw. Kultur eigentlich ist. Gerade angesichts der modernen und zeitgenössischen Kunstentwicklung zeigt sich immer wieder, dass der Mensch Aufklärung darüber wünscht, ob er ein Stück Kultur vor sich hat oder nicht – ganz nach dem Motto: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Empfehlung zur Weiterverfolgung der Gesprächsreihe!

Antonia Schwingen

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