Geniesst es…wer weiß, wanns wieder was gibt [Vol.4]

 

Aufschlag, Ausschlag, Ass und Party – das Theater macht die Nacht durch

(Vorschaubild ©Thilo Beu)

Ein bisschen Tradition und ein bisschen legendär sind sie schon, die Geniesst es-Partys am Theater Bonn, so jedenfalls wurde mir berichtet. Angefangen hatte es in der Spielzeit 14/15, als die Ensemblemitglieder Daniel Breitfelder, Mareike Hein und Hajo Tuschy sowie Ausstattungsassistentin Emilia Schmucker zum ersten Mal die Halle Beuel zur Partylocation erklärten. Auf der Homepage des Theaters wird den Partys des Vierergespanns inzwischen „Kultstatus“ zugeschrieben, es heißt hier: „Immer neu, immer wild, immer anders“.

Solche Formulierungen wecken hohe Erwartungen, keine Frage, zumal die vierte Geniesst es-Party einem speziellen Halloween-Motto unterlag: „Lacoste ja nix. Aufschlag, Ausschlag, Ass und Aus“. Countryclub meets Zombieapokalypse, Tenniskleid meets Kunstblut und Vampirzähne. Man fragt sich: Wer hat sich das ausgedacht, welche Drogen nimmt diese Person und warum verbietet sie niemand? Doch darum soll es nicht gehen. Okay, Halloween im Sportlook, warum nicht.

Die Halle Beuel bot hierfür in jedem Fall die ideale Partylocation, mit drei Tanzflächen und einem improvisierten Kinosaal. Im Foyer der Halle fand die Verköstigung der Gäste statt sowie die musikalische Unterhaltung durch eine Liveband. Außerdem gab es einen kleinen Dancefloor samt DJ und hin und wieder hallten die Stimmen von Tuschy und Breitfelder mittels Lautsprecher durch den Raum, Gekicher und beängstigende Stimmen.

In einem vor der Halle aufgestellten Theatercontainer befand sich der zweite Floor, zwar mit eigenem DJ, aber sehr ähnlicher Musik. Der dritte Floor erinnerte mehr an eine Abstellkammer mit Nebenmaschine; die Übergänge von Kuscheln und dem Versuch, zu tanzen waren fließend, die Warteschlange vor dem Eingang dennoch (oder gerade deswegen) lang.

In einem dritten Container lief Walt Disneys Bambi in Dauerschleife, wobei wegen der lauten Musik links und rechts kaum etwas von der Tonspur des Films zu verstehen war. Wer also kurzfristig keine Lust auf tanzen, trinken oder Tabak rauchen hatte, der durfte sich in eine Wolldecke kuscheln und sich über die niedlichen Waldtiere auf der Leinwand freuen. Hin und wieder schoben Leute den Vorhang zur Seite („Oh mein Gott, ist das BAMBI? Wieso läuft da BAMBI? Ey Leute, hier läuft BAMBI!“), die jedoch sofort von den Filmzuschauern zum Schweigen verurteilt wurden. Ein Partyabend, an dem Bambis Mutter gleich 27 Mal in Folge erschossen wird.

Das Publikum war, darf man sagen, das übliche: Wer am Theater arbeitete, musste sich blicken lassen, keine Frage. Von „außerhalb“ waren im Verhältnis eher wenig Leute zu Besuch, was aber sicherlich nichts mit der Qualität der Party zu tun hatte, sondern vielleicht eher an der Werbung lag, die keine weiten Kreise gezogen hatte?

Die meiste Zeit über befand sich ein großer Teil der Partygäste im Freien, um zu rauchen und zu quatschen, die Tanzflächen füllten sich erst spät und langsam, was sicherlich auch daran lag, dass die Musik (vom ungeschulten Ohr hier mal als „Drum & Base-Mix“ bezeichnet) nicht die abwechslungsreichste war. Zudem hieß es an der einen oder anderen Stelle, der Alkohol sei zu teuer, als das man auf diese Musik abgehen könne. Dies sei mal dahin gestellt.

Das Partyspiel: Jeder Gast erhielt ein weißes Stirnband mit einem Namen – Boris, Roger, Steffi etc. – und einen Zettel mit einer Aufgabe. Diese bezog sich darauf, was man mit einer anderen Person machen sollte, wie z.B. „Schau dir mit einem Boris Bambi an“ oder „Hebe eine Steffi in die Luft“.

Dieses Spiel war vielleicht nicht jedermanns Sache, aber man wurde zu nichts gezwungen und jeder konnte selbst entscheiden, inwieweit er auf andere zugehen wollte.

Zusammenfassen lässt sich sagen: Coole Idee, kreative Umsetzung, viel Mühe und nette Gäste!

Die Stimmung war nicht unbedingt einzigartig, was aber, wie bereits erwähnt, auch mit bestimmten anderen Faktoren zusammengehangen haben könnte: Ein bisschen mehr Abwechslung in der Musik wäre vielleicht wünschenswert gewesen und natürlich ein größeres Budget für Werbung, damit die Party auch nicht-Theatermenschen mehr angezogen hätte.

Trotz allen persönlichen Geschmacks: Die drei Schauspieler Breitfelder, Hein und Tuschy sowie Ausstattungsassistentin Schmucker haben sich die Zeit genommen, neben ihrem zeitaufwendigen Beruf eine große Party zu organisieren und einfach einen coolen, kreativen Abend zu gestalten – was bei weitem nicht selbstverständlich ist. Dass viele Gäste bis fünf Uhr morgens auf dem Gelände feierten, spricht definitiv für die Veranstaltung!

Camilla Gerstner

Die nächste „Geniesst es“-Party steigt am 16.1. ab 21Uhr (Halle Beuel). Auf das Motto dürfen wir noch gespannt sein…

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