„Reuse, reduce, recycle!“

 

In seiner Führung GEBÄUDERECYCLING: EINE NOTLÖSUNG? (Sa, 15:30Uhr & 18:30Uhr / So, 15:30Uhr) führt Kulturwissenschaftler Alexander Kleinschrodt das Prinzip der Wiederverwertung von Gebäuden am Beispiel der Halle Beuel vor.

„Sagen Sie, kann es sein, dass wir hier auf den alten Stühlen aus der Beethovenhalle sitzen?“ „Das haben Sie gut beobachtet – ja, das ist in der Tat ein Teil der Erstbestuhlung der Bonner Beethovenhalle aus den 50er Jahren. Womit wir auch die perfekte Überleitung hätten zum Thema unseres kleinen Rundgangs.“ Mit diesen Worten beginnt Alexander Kleinschrodt, Mitarbeiter der 2011 gegründeten Werkstatt Baukultur des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn, seinen Vortrag mit integrierter Führung über das Gelände der Schauspielhalle Beuel. Eine Powerpoint-Präsentation liefert den Teilnehmern einen Überblick über die wesentlichen Prinzipien des Umgangs mit alten Gebäudekomplexen. Die erste Variante: Abriss und vollkommene Neuerrichtung von Gebäuden. Für die Bonner Besucher ist ein aktuelles Beispiel in dieser Hinsicht das „Bonn-Center“, über das sofort diskutiert wird. Die zweite Option, die Kleinschrodt vorstellt, bezieht sich auf das eigentliche Konzept des Gebäuderecyclings: Die Erweiterung und Anpassung von Altem an die zeitgenössischen Bedürfnisse und Anforderungen – oder, um es mit den Worten des Architekten Muck Petzet auszudrücken: „Reuse, reduce, recycle!“

Nach dieser thematischen Einführung betreten die Teilnehmer das tatsächlich wiederverwertete Gelände der Schauspielhalle Beuel: Die im Jahr 1868 errichtete Jutespinnerei, ein Schauplatz der überregionalen Großindustrie mit seinerzeit über 1000 Arbeitern, wurde 1981 vom Bonner Theater für seine Zwecke umfunktioniert, ganz ohne gravierende Umstrukturierungen vorzunehmen.

Die erste Station der Führung richtet die Aufmerksamkeit auf den Fabrikschornstein, der im Zentrum des Geländes aufragt. In seiner ursprünglichen Funktion heute nicht mehr nutzbar, könnte er laut Alexander Kleinschrodt nunmehr für den Wiedererkennungswert des Bonner Theaters förderlich sein. „Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie fahren hier vorbei und sehen den Fabrikturm – bei entsprechend guter vorangegangener Vermarktung würden Sie doch sofort denken: Aha, das ist die Beueler Schauspielhalle!“, gibt der Kulturwissenschaftler zu bedenken. Seine Überlegungen fasst er unter dem Begriff der Zeichenhaftigkeit von Gebäuderecycling zusammen.

Schwerpunkt der zweiten Station ist der ästhetische Aspekt des Gebäuderecyclings. Nach ihrer Meinung bezüglich der Fassade des Werkstattgebäudes gefragt, kommentiert eine Teilnehmerin in gelbem Regenmantel: „Da meint man fast, den Maurer bei der Arbeit sehen zu können, wie er einen Backstein auf den anderen setzt!“ Hiermit bestätigt die Frau zwar die Auffassung des Kulturwissenschaftlers Kleinschrodt, allerdings wohl eine subjektive Empfindung, der ein Liebhaber moderner Architektur wohl widersprechen würde.

Zuletzt betritt die Gruppe einen offensichtlich leer stehenden Raum, durch den deutlich gemacht werden soll, dass Gebäuderecycling in Bezug auf Theater völlig neue Inszenierungs- und Interpretationsmöglichkeiten eröffnet. Schließlich bietet sich hier die Gelegenheit, die herkömmliche Tradition der Raumaufteilung zwischen Bühnen- und Zuschauerraum aufzulösen. Alexander Kleinschrodt stellt hier abschließend eine These auf: „Das spannendste Theater der letzten vierzig Jahre fand nicht in stehenden Theatern statt.“ Angesichts einiger kritischer Blicke wird deutlich, dass sich auch hier die Geister scheiden.

Die Führung endet, die Teilnehmer zerstreuen sich. Es ist den einzelnen Personen anzumerken, dass einige entstandene Fragen unbeantwortet im Raum stehen: Wie relevant ist Ästhetik wirklich für das Gebäuderecycling? Und wo genau liegen die Bezugspunkte zwischen Gebäuderecycling und Klimawandel, dem Motto, unter dem doch das SAVE THE WORLD-Festival steht?

Tabea Laufenberg, Antonia Schwingen & Katharina Wigger

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