Die Superhelden unserer Zeit

(Vorschaubild © Thilo Beu)

In der festivaleröffnenden KEYNOTE SPEECH (Fr, 18:30Uhr) sprechen die Klimaexperten Richard Kinley und David Saddington offen über den Klimawandel: Anschaulich, seriös und sogar mit einem kleinen Schmunzeln. 

Richard Kinley sieht nicht so aus, wie man sich einen Superhelden, der die Welt rettet, vorstellt. Der stellvertretende Leiter des UN-Klimasekretariats ist eher unauffällig: klein und schmal. Doch sofort zeigt er den Zuschauern, dass er nicht auf den Mund gefallen ist: Obwohl er die Menschheit vor der Hölle rette, seien Superhelden-Umhänge in seinem Büro nicht erlaubt, scherzt er. Doch dann wird er ernst: Seine drei Grundsätze seien Idealismus, Optimismus und Realismus. Idealismus, weil er es als Privileg ansieht, an der Rettung der Welt beteiligt sein zu dürfen. Optimismus, weil er sich sicher ist: Es kann geschehen – die Welt kann gerettet werden. Und Realismus, denn es wird unmöglich sein, mit 197 Staaten bei der diesjährigen Weltklimakonferenz in Paris einen perfekten Kompromiss zu schließen. Trotzdem blickt Kinley der anstehenden Konferenz sehr hoffnungsvoll entgegen, denn schon jetzt seien Veränderungen sichtbar. Die Emissionen reduzieren sich deutlich, die Industrie scheint das Thema Klimawandel endlich ernst zu nehmen und auch der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Aber dies sei erst der Anfang, verspricht der charismatische Brite. Sein Ziel sei es, Klimabewusstsein nicht zur Ausnahme, sondern zur Regel zu machen und die Vorgänge des Klimawandels transparenter darzustellen. Doch dieser Prozess werde dauern, denn eine soziale Mobilisierung sei nicht von heute auf morgen möglich. Auch Kunst und Kultur spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle: Kinley zufolge „designt“ Kunst die Welt der Zukunft und formuliert akzeptables und inakzeptables Verhalten. Sie sei somit „die Kirsche auf dem Kuchen“. Vielleicht nicht das Wichtigste, aber das Schönste.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Nach Kinleys Aufruf, die Visionen der Zukunft zu gestalten, betritt der junge, britische Klimaaktivist David Saddington die Bühne, der bereits im zarten Alter von 13 Jahren anfing, sich aktiv gegen den Klimawandel zu engagieren. Auslöser hierfür war die verheerende Überschwemmung seines Heimatorts North Yorkshire, die ihn das erste Mal in direkten und bewussten Kontakt mit dem Klimawandel brachte. 2005 war das Thema noch weitgehend Experten vorbehalten; das öffentliche Interesse ging gegen Null. Die Lösung, so ist sich Saddington sicher, bestehe in der Aufklärungsarbeit und dem Schaffen eines Bewusstseins für das Problem. Diese Einstellung brachte ihn in die Downingstreet No. 10 zu Tony Blair persönlich, und führte dazu, dass der Klimawandel in England – als erstem Land der Welt – offiziell in den Lehrplan aufgenommen wurde. Das Wichtigste, so Saddington, sei jedoch, dass sich jeder bewusst mache, dass der Klimawandel jeden Einzelnen persönlich betreffe. „Stellen Sie sich selbst einmal die Frage, was das erste Wort ist, das Ihnen in den Sinn kommt, wenn das Wort Klimawandel fällt“, fordert der junge Mann das Publikum auf. Die Antworten auf diese Frage sind zumeist sehr ähnlich und betreffen fast immer wissenschaftlich klingende Erklärungen. Gerade hier sieht Saddington jedoch das Problem: die Diskussion rund um das Thema werde immer mehr den Experten überlassen, somit verliere man den Bezug dazu und vergesse, dass man selber direkt betroffen ist. Wir müssten dieses Thema wiederbeleben und mit Energie füllen. Genau hierin besteht für Saddington die Aufgabe von Kunst. Von Kunst und, sehr britisch, von Gartenbau. Die Verbindung beider Elemente sei ein guter Weg, um einfach auf das Thema zu sprechen zu kommen und von der wissenschaftlichen Perspektive abzurücken. Um diesen Aspekt zu verdeutlichen, bringt er verschiedene Beispiele zur Sprache. Mithilfe einer begrünten alten High Line in New York kommen die Menschen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit in Kontakt mit der Natur, sodass den Städtern wieder mehr ins Bewusstsein gerückt wird, wie wichtig das Problem auch und gerade für sie ist. Ein anderes Beispiel ist eine Skulptur von vier apokalyptischen Reitern, die so an der Themse positioniert sind, dass das Wasser zweimal am Tag durch die Flut bis zum Hals der auf den Pferden sitzenden Politiker steht. Ein sehr beeindruckendes Bild, das anschaulich unsere heutige Situation beschreibt. So zieht Saddington am Ende das Fazit, dass die Bewältigung des Klimawandels auch eine Chance sei, eine stärkere Gesellschaft und Wirtschaft aufzubauen. Er bleibt optimistisch, was die Zukunft unseres Planeten angeht – und wir mit ihm.

Phyllis Akalin und Katharina Wigger

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