GermanAngst oder Warum man sich vor dem Jugendclub nicht fürchten muss

Ein Interview mit dem Bimbelbambelclub

(Voschaubild (c) Thilo Beu)

Als Mitglied der Theatral-Redaktion und zugleich Mitglied des Bimbelbambelclubs, dem Jugendclub 2016 des Bonner Theaters, wollte ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, kurz vor der Premiere unseres diesjährigen Stückes „GermanAngst oder warum man sich im Wald nicht fürchten muss“ am Freitag, den 24. Juni 2016, für einen kleinen Vorgeschmack zu sorgen. Aus diesem Grund habe ich unser Regie- Team, bestehend aus dem Schauspieler Daniel Breitfelder und der Hausregisseurin Alice Buddeberg und einen Teil meiner Mitspielkollegen mit diversen Fragen konfrontiert.

Theatral: Lieber Daniel, liebe Alice, schön, dass ihr trotz des ganzen Probenstresses etwas Zeit für uns gefunden habt. Die zunächst alles entscheidende Frage: Wie seid ihr überhaupt zum Theater gekommen, oder wie würdet ihr euren Werdegang beschreiben?

Daniel: Schon als Kind hatte ich das Verlangen zu „schaffen“. Ich hatte beispielsweise zusammen mit einem Freund ein eigenes Marionettentheater gebaut, ebenso an die zehn Marionetten. Ich habe angefangen das Dschungelbuch mit gemalten Figuren und einer Soundkulisse in meinem Zimmer zu inszenieren und schließlich auch selber Geisterbahnen gebaut. Meine Familie musste das immer stundenlang ertragen. Ich war auf einem musischen Gymnasium und habe dadurch als Kind bei einigen Opern mitgewirkt. Den ersten professionellen Kontakt mit Schauspiel hatte ich mit 15, im Jugendclub des Augsburger Theaters. Da bin ich dann auf den Geschmack gekommen: Keine Zeit und kein Geld zu haben und daraus resultierend fast unmöglich eine Beziehung führen zu können, das hat mir wirklich gefallen!

(c) Dirk Sterzel

Alice: Es war bei mir auch eigentlich so eine klassische „Jugendtheatergeschichte“. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich lieber beschreibe, wie ich eine Szene spielen würde, anstatt sie selber zu spielen.

Theatral: Gab es da irgendwelche Projekte, welche euch in eurer Vergangenheit besonders am Herzen lagen, oder euch menschlich gesehen besonders weit gebracht haben?

Daniel: Es gibt immer Inszenierungen, die man nicht vergessen kann und die einem immer im Herzen bleiben werden, sowohl spielerisch als auch menschlich. Ein angenehmes, visionäres Team ist einfach alles. Vieles vergisst man aber auch. Und das ist auch gut so. (lacht)

Alice: Die aktuellen Projekte sind immer die Wichtigsten und haben auch die höchste Priorität.

Daniel: – es ist immer wie ein fliegender Partnerwechsel, da du immer eine Art Beziehung zu deinen Projekten hast.

Alice: Obwohl ich eigentlich so ein „Wegschmeiß-Problem“ habe, komme ich damit am Theater sehr gut klar.

Theatral: Wie gefällt euch nach einigen Spielzeiten das Arbeiten in Bonn?

Daniel: Für mich ist die Atmosphäre der Stadt, in der ich arbeite, immer sehr wichtig. Zugegeben, ich habe wirklich etwas gebraucht, um mich hier wohl zu fühlen, meine Lieblingsecken zu finden. Aber jetzt habe ich mich in die Stadt und auch in einige Kollegen (freundschaftlich) verliebt. Hier überwiegen einfach die Inszenierungen, wo ich sagen würde: Ja, da stehe ich dahinter! Das ist viel wert.

Alice: Da ich bald wieder nach Berlin ziehe, bin ich derzeit in einer sehr melancholischen Phase dem Arbeiten hier gegenüber. Momentan genieße ich es also und schätze das Ensemble sehr!

Theatral: Um unseren Lesern eine Vorstellung davon zu geben, worum es hier überhaupt geht, erklärt doch bitte: Was ist überhaupt ein Jugendclub?

Alice: Da treffen sich Menschen, die sich sonst nicht kennen, auf einer Bühne und wollen Theater spielen, was sie auch nicht kennen.

Theatral: Du, Daniel, hattest schon erwähnt, dass du früher selbst in einem Jugendclub aktiv warst, inwiefern konntest du das damals Erlernte auch noch heutzutage in deinem Schauspielerberuf anwenden?

Daniel: Das Paket, das ich in dieser Zeit von den Schauspielern, die den Jugendclub geleitet haben, bekommen habe, hat mich unglaublich erfüllt. Daraus schöpfe ich immer wieder. Es hat mich geprägt. Gelenkt. Wie eine Art Starterpaket. Die Schauspieler waren natürlich absolute Vorbilder, es bleiben einfach unvergessliche Momente und langanhaltende Erinnerungen. Mir war diese Zeit sehr wichtig, man lernt übergeordnet, die eigene Faszination für das Theater zu erkennen und hat einen großen Freiraum für sich selbst, um sich auszuprobieren.

Theatral: Wie unterscheidet sich nun die Arbeit mit Jugendlichen von der Arbeit mit Erwachsenen?

Alice: Natürlich spielt alleine schon der zeitliche Rahmen eine Rolle. Mal abgesehen davon, haben die Schauspieler den Beruf gelernt. Sie fragen also aus einer anderen Position heraus.

Daniel: Es ist sehr erfrischend mit jungen Menschen zu arbeiten, da sie in jeder Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt sind und man sie einladen kann in neue, vielleicht auch für sie absurd scheinende Gebiete einzutreten.

Theatral: Nun lasst uns mal etwas tiefer in die ganze Materie eintauchen, worum geht es überhaupt in dem Stück?

Alice: Es ergibt sich folgende Situation: Ein paar sich völlig fremde Menschen werden an einem ihnen ebenfalls unbekannten Ort eingesperrt und wissen nicht von wem. Dies setzt menschliche Ängste und Fragen nach dem „Wer bin ich?“ frei.

Daniel: Ein Raum, eine Gruppe, ein Spiel, ein Ziel! Theatral: Was war euer Gedankengang, bzw. warum habt ihr euch überhaupt dieses Thema ausgesucht?

Alice: Die Angst ist nun einmal eine der größten Triebfedern des Menschen und wir wollten etwas haben, womit wir Beide, sowie das Ensemble, etwas anfangen konnten.

Daniel: Ich liebe Jurassic Park – ebenso das Genre „Horror“, und „Science-Fiction“. Deswegen kam ich relativ schnell zum Thema Angst, da sie so vielseitig ist. Seien es die gesellschaftlichen Ängste, intime oder ganz banale. Es ist eine unkontrollierbare Kraft.

Theatral: Gut, wir sind ein „Jugendclub“, wie lässt sich diese Thematik auf Jugendliche anwenden?

Alice: Es ist nun einmal eine Schwelle, an der ihr steht. Die Zukunft und der Moment des Erwachsenwerdens sind beides Auslöser für existenzielle Fragen bezogen auf die eigene Identität.

Theatral: Wie viel von den Ideen der Jugendlichen steckt im Stück?

Daniel: Es geht beim Theater eigentlich nie darum, was letztendlich von wem kommt. Es ist ein wechselseitiger Prozess, bestehend aus diversen Phantasien diverser Leute. Das kann man auch auf unser Verhältnis anwenden – wir kennen uns. Alice weiß wie ich spiele und ich weiß wie sie inszeniert. Man muss sich aufeinander einlassen. Das ist sehr angenehm, da man sich respektieren und auch vertrauen muss. Sonst ist man als Regisseur immer so alleine, deswegen ist es umso schöner, sich bei Fragen gegenseitigen Rückhalt zu geben. Das geht auch nicht mit jedem.

Theatral: Würdet ihr heute sagen, dass wir trotz der kurzen Zeit zu einem „richtigen Ensemble“ herangereift sind?

Daniel: Grundsätzlich ja, natürlich. Es werden immer weniger Fragen zu Vorgängen auf der Bühne gestellt. Das heißt, man kennt sich mittlerweile schon gut um die Dinge, die zuvor merkwürdig erschienen, aus. Das ist schön zu beobachten. Ich hätte mir einfach noch ein paar mehr lustige Aktionen gewünscht: Wie z.B. Filme gucken, oder gemeinsam auf der Werkstattbühne zu übernachten.

Theatral: Wir alle sind wirklich mit ganzem Herzen dabei. Einige von uns hegen mit Sicherheit auch den Wunsch, Schauspieler oder Ähnliches zu werden. Was für einen Rat hättet ihr für sie?

Daniel: Man sollte ganz einfach keine Angst haben:

Alice: – oder zumindest wissen, dass man Angst hat und dann keine Angst mehr haben. Du musst einfach immer weitermachen und für dich selbst definieren, was du schaffen willst.

Daniel: Es gibt immer Krisen und manchmal auch schwierige Entscheidungen, aber du musst vor allem mit dir selbst leben können.

Theatral: Wie sollten die Zuschauer in das Stück reingehen? Wie gehen sie hoffentlich wieder raus?

Daniel: Sie sollten offen zur Vorstellung kommen und bei aufkommenden Fragen auch selber dazu bereit sein, diese eigenständig mit sich selbst zu lösen. Sie sollten sich während des Zuschauens öffnen und dies auch selbst und bewusst zulassen; Angst haben und sich Fragen stellen.

Theatral: Rückblickend: Was nehmt ihr aus der gemeinsamen Zeit mit? Daniel: Wir haben, denke ich, alle einen Teil unserer Würde verloren, wie immer, da wir uns alle gegenseitig ziemlich zum Affen gemacht haben. (lacht) Aber jetzt steht erst eimmal die Premiere an und dann: Party …

Alice: Wir sollten jetzt aber mal langsam wieder proben gehen, oder?

Theatral: Natürlich, jetzt aber noch kurz zu euch, ihr lieben Bimbelbambler. Die meisten Jugendlichen in unserem Alter können sich das, was wir momentan tagtäglich tun, wahrscheinlich gar nicht so richtig vorstellen: Auf der richtigen Theaterbühne zu stehen und vor allem sehr, sehr viel zu proben. Aber erzählt doch mal, was es bedeutet im Jugendclub zu sein, bzw. was daran ist „cool“, oder manchmal vielleicht auch „nicht so cool“?

Bimbelbambler: Der Jugendclub, bzw. das Theater, ist mit Sicherheit ein sehr zeitintensives Hobby. Man hat eine Spielzeit lang eine tolle Zeit, ist mit netten Leuten zusammen und findet auch viele neue Freunde, die die Leidenschaft oder das Interesse für das Theater teilen. Obwohl man, besonders während der Endprobenphase, fast sein ganzes Privatleben aufgeben muss, macht es einfach total viel Spaß. Man entdeckt ganz neue Seiten an sich, ist wie in einer anderen Welt und hat unendlich viele Möglichkeiten sich auszuprobieren. Es gibt jeden Tag etwas Neues und man ist einfach ganz weit weg vom Alltag.

Theatral: Da ihr alle noch zur Schule oder zur Uni geht und gleichzeitig jeden Tag mehrere Stunden proben müsst, wie lässt sich Schule/ Uni mit dem Jugendclub kombinieren?

Bimbelbambler: Klar, es ist mal einfacher und mal schwieriger. Normalerweise kommt es zu wenigen Überschneidungen. Man hat halt nur weniger Zeit zum Lernen und generell für alles andere auch. Man braucht ein enormes Durchhaltevermögen und Kondition.

Theatral: Das Theater an sich hat heutzutage gerade bei den meisten jüngeren Leuten keinen besonders guten Ruf, wie reagieren eure Freunde darauf?

Bimbelbambler: Wie schon gesagt, man hat durch die intensiven Probenphasen und durch das gemeinsame Interesse sowieso seine meisten Kontakte im Theater. Alle anderen können damit meistens eher wenig anfangen, kommen aber auch oft in ein Stück.

Theatral: Wie würdet ihr unseren momentanen Probenalltag beschreiben?

Bimbelbambler: Der Name ist Programm, „Bimbelbambel“ halt. Es ist sehr intensiv, lustig und definitiv super schön zu sehen, dass das ganze Ensemble mit dem Herzen dabei ist. Kurz gesagt: Wir sind einfach eine „tolle Truppe“!

Das Interview führte Kim Sterzel

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