Im Fokus: Kostümbild

 

Insiderwissen zu den Kostümen für Nathan der Weise

(Vorschaubild (c) Cary Gayler)

In einem Gespräch mit Cary Gayler, der Kostüm- und Bühnenbildausstatterin für Volker Löschs Produktion Nathan der Weise, haben wir weitere Einblicke hinter die Kulissen erhalten. Das folgende Gespräch, von dem hier berichtet werden soll, konzentrierte sich auf den Prozess der Kostümgestaltung.

Um einen umfassenden Überblick über diesen Prozess bei Nathan zu bekommen, stellt sich natürlich zunächst die Frage nach dem Beginn und den ersten Schritten einer Kostümausstattung. Hier erklärt Gayler, dass sich die Ideen in vielen anfänglichen Gesprächen entwickelt haben. Diese Ideen würden durch alles Mögliche beeinflusst, beispielsweise den Konzepten für das Bühnenbild. Dabei gebe weder Volker Lösch noch sie selbst den Ton an. Es sei ein gemeinsames Vorarbeiten.

So standen schon bei der Konzeptionsprobe Konzepte fest, die es umzusetzen galt. Die Ausstatterin erinnert sich, dass es zwei grobe Richtungen gab, die in Kontrast zueinander stehen sollten: Zum einen der Blick auf die Figuren des Stücks aus der abendländischen und zum anderen der morgenländischen Kultur. Beide Varianten sollten mit den Szenen des muslimischen Sprechchors verschnitten werden, die sich in einer modernen Schulklasse mit ihrem Lehrer über die Aufklärung und Religions-Vorurteile streitet. Alle Outfits sind also der heutigen Zeit angepasst. Für Szenen, die wiederum direkt aus Lessings Werk entnommen wurden, würden dann orientalische Einflüsse sichtbar werden, da das Original in Jerusalem spielt, soll es die orientalische Kultur wiederspiegeln. Die Kostüme geben also Ort des Geschehens wieder, entsprechend den zwei verschiedenen Handlungssträngen und unterstützen deren Unterscheidung der beiden Ebenen.

Bei der Frage nach dem stressigsten Stadium während der Produktion muss Gayler kurz überlegen. Sie findet dann doch eine Antwort: Die Phase, nachdem das Konzept entwickelt ist. Diese sei deswegen so zeitintensiv, weil man (noch mit leeren Händen) alles zusammentragen müsse, was für die Kostümumsetzung relevant sei (beispielsweise Stoffe und Details der Originalkostüme) und das in relativ kurzer Zeit. Natürlich gebe es dort Bereiche, in denen man die Verantwortung ein Stück weit abgeben könne. So zum Beispiel bei der Anfertigung: Kostüme, die extra in der Theaterschneiderei genäht werden, sowie die Unterstützung ihrer Assistentinnen, seien ein kleiner Luxus für die Ausstatterin. Die habe sie nämlich dann erst einmal aus dem Kopf. Es gäbe jedoch auch zahlreiche Kostüme, die eingekauft werden müssten. Das Streifen durch die Läden, um Passendes zu finden, sei sehr zeitintensiv. Auch hier bei Nathan gebe es eine Menge von solchen Kostümen. Man bedenke allein die Gruppe des muslimischen Chors. Dieser solle ja primär aussehen wie eine ganz normale Schulklasse in Alltagskleidung. Jedoch müsse die Gruppe auch homogen wirken und die Outfits zusammenpassen. Eine weitere Schwierigkeit der ersten Umsetzungsphase sei zudem, dass sich von heute auf morgen noch alles ändern könne: Verändere sich das Bühnenbild, so müsse man auch die Kostüme wieder darauf angleichen. Gleiches gelte auch für abgewandelte Szenen und Abläufe: Entscheide sich Volker Lösch beispielsweise dafür, eine Szene zu kürzen, so könne es sein, dass sich die Zeiten, in denen sich die Schauspieler umziehen müssen, verkürzen. Das hieße, es müsse überdacht werden, wie schnell sich ein Kostüm an- und ausziehen lässt. Erschwerend komme hinzu, dass manche Schauspieler doppelte Rollen besetzen. Damit sei die Häufigkeit eines Kostümwechsels natürlich erhöht. Zudem entstünden auch völlig neue Szenen, die zu Beginn der Proben noch gar nicht geplant waren. So müssen zusätzliche Kostüme sehr schnell entworfen und hergestellt werden.

Nachdem das Gespräch sowohl die Anfänge, als auch die heiße Phase der Kostümausstattung beleuchtet hatte, stellt sich die Frage nach dem Ende: ,,Wann hört für Sie die Arbeit für Volker Löschs Produktion auf?“ Gayler antwortet, ihre Arbeit gehe nur bis zur Premiere, danach würden sich die Garderobieren um die Kostüme kümmern. Aber das sei ja dann ein eingespielter Ablauf. Dann verändere sich nichts mehr und nichts Neues müsse mehr entwickelt werden.

Bei der abschließenden Frage nach dem Gefühl, ein fertiges Kostümkonzept bei der Premiere auf der Bühne zu sehen, erwidert die Ausstatterin, dass sie gemischte Gefühle habe. Einerseits sei man natürlich stolz und froh, dass alles geklappt hat. Andererseits sehe man natürlich auch jedes einzelne Detail, was besser hätte sein können, das dem Zuschauer wahrscheinlich entgeht.

Sofia Grillo

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