„Learning from Nature“

Andrea Tietz über SAVE THE WORLD 

(Vorschaubild © Thilo Beu)

Theatral: Liebe Andrea Tietz, mit SAVE THE WORLD wollen Sie am Theater Bonn zum zweiten Mal in Folge die Welt retten, diesmal mit dem Fokus auf dem Klimawandel. Viele denken dabei an eine bereits durchgekaute, allzu bekannte Moralpredigt. Sie wollen das anders machen. Wie?

Andrea Tietz: Ja, wir wollen das unbedingt anders machen! Dieses sperrige und, wie Sie richtig sagen, durch die Medien „abgenudelte“ Thema, wollen wir tatsächlich neu aufbereiten und nicht die moralische Keule schwingen! Dieses Festival ist viel eher der Versuch, mit dem Thema Klimawandel anders umzugehen, sprich: es sinnlich erlebbar und erfahrbar zu machen.

Theatral: Wie schon im letzten Jahr nimmt auch diesmal wieder ein „Parcours“ im Programm einen zentralen Platz ein. Im Mittelpunkt stehen dabei Teams aus Experten und Künstlern. Wie hat man sich diese Mischung vorzustellen? Erlebt man Theater oder geht es am Ende doch eher um künstlerisch gewürzte Vorträge?

Andrea Tietz: Es ist eine Mischung aus beidem, gerade das macht unseren Parcours, unser Herzstück, aus: dass Künstler und Experten gleichberechtigt miteinander arbeiten. Es ist nicht wie im Theater, wo der Regisseur sich eines Themas bedient, das dann nach seinen Angaben theatral umgesetzt wird. Bei unserem Parcours müssen sowohl Künstler als auch Experten gemeinsam eine Performance hinbekommen.

Theatral: Welche Vorgaben haben Sie den Künstlern und Experten, die am Parcours mitgearbeitet haben, gegeben?

Andrea Tietz: Erstens: Ein Beitrag sollte nicht länger als 15 Minuten dauern. Zweitens: Die Künstler und Experten arbeiten gleichberechtigt zusammen und müssen auch beide beim Parcours anwesend sein. Für mich persönlich sehr attraktiv ist dabei, dass die Auffassungen und Schwerpunkte von Künstlern und Experten so unterschiedlich sein können. Die Experten legen natürlich sehr viel mehr Wert auf die richtige Übermittlung ihrer Inhalte, die Künstler dagegen mehr auf die szenische Umsetzung. Folglich erinnert der Experte immer wieder daran, dass „hier die Message ist, die wir eigentlich versenden wollen“.

Theatral: Erzählen Sie uns doch mal konkret von den Stationen: Was erwartet uns im Einzelnen?

Andrea Tietz: Was wir versuchen, ist, das komplexe Thema Klimawandel in konkrete Bilder zu „übersetzen“. Wir fangen ja nicht an und halten irgendwelche Fachvorträge. Ein zentrales Thema ist zum Beispiel die WELTKLIMAKONFERENZ 2015, die im Dezember in Paris stattfinden wird. Im Rahmen unseres Parcours übersetzen wir dieses Thema, indem Nick Nuttall vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen zusammen mit der Filmemacherin Claudia Lehmann eine „revolutionäre Entdeckung“ präsentiert, und zwar den ersten Prototyp eines sogenannten CO2-Absorbers für jeden Haushalt. Mit diesem CO2-Absorber könnte das Klimasekretariat die Welt retten. Und das versuchen sie ja letztendlich im übertragenen Sinn in Paris, indem sie alle 197 Staaten an einem Tisch bringen. Ein anderes Beispiel ist DAS JÜNGSTE GERICHT, das der Klimaexperte der Welthungerhilfe Michael Kühn zusammen mit der Puppenspielerin und Regisseurin Suse Wächter gestaltet. Da geht es um die von Menschen gemachten Katastrophen, sprich: Erderwärmung, Klimawandel. Das können wir drehen und wenden wie wir wollen, wir haben es verursacht. Und jetzt geht es darum, dass die Menschheit vor Gericht gestellt wird und sich dafür verantworten muss – vor Gott, der aber ja wiederum gesagt hat: „Macht euch die Erde untertan!“ Es ist also ein enormer Zwiespalt und man muss letztlich fragen: Wer verteidigt hier eigentlich wen?

Theatral: Welche Station ist Ihr persönliches Highlight – und warum?

Andrea Tietz: Um ehrlich zu sein: Die Proben sind in vollem Gange, ich habe noch nicht wirklich viele Ergebnisse gesehen. Und dadurch, dass die Künstler so unterschiedlich sind und aus ganz verschiedenen Sparten kommen, ist es eine sehr bunte Mischung. Also: Nein, ich habe noch keinen Favoriten.

Theatral: Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, die Sie mit dem Klima-Parcours erreichen möchten?

Andrea Tietz: Es klingt immer so ein bisschen kryptisch, wenn man sagt: „Wir wollen eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen.“ Aber das ist tatsächlich der Fall. Das heißt, klar, einerseits das gängige Theaterpublikum. Aber wie ich jetzt gemerkt habe, ist dieses Thema auf der anderen Seite auch für Experten total interessant, die natürlich auch immer nach neuen Vermittlungsformaten suchen und mittlerweile begriffen haben, dass es nicht ausreicht, wenn sie von Kollege zu Kollege in ihren Glaskästen irgendwelche Themen verhandeln. Deshalb, wie gesagt: breit – es soll eine bunte Mischung werden.

Theatral: Wenn es eine einzige Nachricht gäbe, die Sie den Besuchern durch den Parcours vermitteln könnten, welche wäre das?

Andrea Tietz: Ganz klar: „Learning from nature”. Das ist eigentlich das, was bei allen Gesprächen, auch mit den Experten, herausgekommen ist. Bei allem technologischen Fortschritt und allen technischen Möglichkeiten können wir Menschen das Problem trotzdem nicht lösen, sondern wir müssen gucken, wie die Natur solche Probleme löst. Auch wenn das eventuell bedeutet, dass wir eines

Tages von diesem Planeten verschwinden… Sorry for being pessimistic.

Theatral: Danke für dieses Interview!

Phyllis Akalin & Tabea Laufenberg

Andrea Tietz (nicht abgebildet) ist zusammen mit Nicola Bramkamp künstlerische Leiterin von SAVE THE WORLD. Für das Festival tingelt sie regelmäßig zwischen ihrer Wahlheimat Hamburg und Bonn hin und her.

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