BUSC zeigte gelungene Inszenierung von Jule Vernes Klassiker mit Großaufgebot
Phileas Fogg – ein seit Jahrzehnten magischer Name, der für unbekannte Länder, Abenteuer und die wohl verrückteste Wette des 19. Jahrhunderts steht: in nur 80 Tagen einmal um die Welt zu reisen. Gewettet wird um 20.000 britische Pfund, ein Vermögen zu dieser Zeit. Der sehr exzentrische, aber selbst noch nie gereiste, Gentleman Phileas Fogg will seine exakten Berechnungen den Mitgliedern des Reform-Clubs beweisen. Zusammen mit seinem französischen Diener Jean Passpartout, der allerlei Tricks beherrscht, und verfolgt von einem verblendeten Detective, der in Fogg einen gesuchten Bankräuber erkannt haben will, tritt er die Reise seines Lebens an. Dabei tickt die Uhr, die ihm seines ganzen Vermögens berauben kann, stets in der Westentasche.
Zahlreiche Verfilmungen von Kinderserien bis zu Blockbustern lassen Jule Vernes unvergessliche Figuren in den Köpfen der Zuschauer spuken. Kein Wunder also, dass In 80 Days around the World auch vor der Theaterbühne keinen Halt macht – zumindest in der Brotfabrik. Aber wie lassen sich Dschungel, Großstädte, Eisenbahnen, Elefanten und die vielen anderen Fortbewegungsmittel jener Zeit, die Verne alle in seinem Roman hat einfließen lassen, auf die Bühne bringen? Und dann auch noch in 90 Minuten? Das nämlich hat sich die BUSC (Bonn Shakespeare Company) zum Ziel gesetzt. Man braucht dafür eine gute Regie, motivierte Spieler und viel Unterstützung! Alle drei Punkte werden bei der BUSC erfüllt: Gut 25+ Spieler*innen sind im Einsatz, der Verlauf der Reise wird durch die große Projektion einer Steam-Punk würdigen, Tage zählenden Uhr gegliedert, die einem auch verrät in welchem Land man sich gerade befindet, sollte man mal die Übersicht mal verloren haben. Die Hauptdarsteller sind durchgängig energiegeladen. Die drei Hauptrollen – Phileas Fogg, Passepartout, die indische Prinzessin Aouda und der leicht trotteligen Detective Fix – teilen sich jeweils mehrere Schauspieler*innen. Das spart natürlich nicht nur an Lerntext, sondern bringt den Figuren auch immer neue Charakteristika. Wenn zum Beispiel die Geschlechterrolle getauscht wird, Passepartout mal spektakuläre Kampfchoreografien zeigt, der nächste besonders gut seinen französischen Akzent imitiert, Fogg mal draufgängerischer mal mehr gentleman-like daherkommt ohne, dass sich seine Persönlichkeit vollkommen umkehren würde.

Natürlich musste die Romanvorlage von Regiesseurin Muna Zubedi stark gekürzt werden. Zwar werden alle Stationen genannt – Bombay, Shanghai, Yokohama, New York etc. – aber auch erfrischend modernisiert, indem z. B. die Reisenden es in Amerika plötzlich mit einer Horde Wastelandern zu tun haben, die ihren Zug überfallen. Diese Hinterwälder tragen Cowboyhüte oder rote Cappies – zufällig sind gerade Wahlen und die Stimmung unter den Amerikanern ist sowieso aufgeheizt. Zum Glück erhält Fogg selbst hier unerwartet Hilfe von einem im breitesten Texanisch sprechenden Gesetzeshüter. Auch fiktive Orte wie Glamazonia und Cyberstan dienen eher einer Art Brücke in eine Zukunft, die vielleicht sogar Jule Vernes sich noch nicht vorstellen konnte. Diese kleinen Anspielungen sowie die tollen kreativen Einfälle für die Requisiten (hervorzuheben ist der aus Spitze gefertigte Elefantenkopf mit beweglichem Rüssel) sowie toller Tanzeinalgen zu peppiger Musik und den bereits genannten choreographierten Kämpfen à la Sherlock Holmes und Indianer Jones lassen die Inszenierung zu einem wahren Spektakel werden.
Am Ende gab es verdienten langen Applaus für diese großartige Leistung. Schade, dass es nur sechs Vorstellungen gab.
Rebecca Telöken
Aufgrund der vielen Spieler*innen wurden die Namen nicht im Text erwähnt, daher werden sie in alphabetischer Reihenfolge nun hier genannt, die Rolle in Klammern:
Lisa-Christine Altendorf (Porter)
Michael Bareev-Rudy (Conductor & Gentleman)
Lineke Bösing (Conductor of Glamazonia)
Hannah Erner (Consul)
Farnaz Ghasemi (Ensemble)
Ben Heering (Pilot of Cyberstan)
Robin Hemmersbach (Phileas Fogg & Jean Passepartout)
Bruno Kaut (Aouda & Sir Francis)
Leonie Kornel (Clerk Oysterpuff & Passenger)
Sabina Kukuk (Jean Passepartout & Mr. Batulcar)
Izzy Langner (Phileas Fogg & Gentleman)
Tabea Laufenberg (Aouda)
Alyssa Löffler (Phileas Fogg)
Afra Morris (Detective Fix & Gentleman)
Anne Nickel (Gentleman)
Aleksandra Onetko (Ensemble)
Malin Peter (Detective Fix)
Anthea Petermann (Ensemble)
Lisa Pohlers (Colonel Proctor)
Lynn Pusch (Ensemble)
Paula Rahn (Parsee)
Hanna Schäfer (Jean Passepartout)
Lukas Schletter (Captain Speedy)
Jan-Hendrick Schrötter (Aouda & Gentleman)
Ben Stewart (Phileas Fogg)
Sepideh Tafazzoli (Phileas Fogg & Aouda)
Lina Zubedi (Jean Passepartout & Detective Fix)

