Unterm Rad – Stimmen

Beitragsbild (C) Thilo Beu

Am Freitag den 25.06. feiert Hermann Hesses Unterm Rad seine Premiere. Das Stück ist kostenfrei über den Stream des Theaters abrufbar. Wir haben im Vorfeld mit einigen mitwirkenden Schüler:innen über das Theater, die Schule und Corona gesprochen und freuen uns schon sehr auf das fertige Stück.

Das folgende Interview gibt einige Antworten wieder. 

Du und das Theater…

Wie bist Du zum Theater gekommen?  

Ich habe früher, also so mit 10 oder neun schon Theater gespielt. Dann hat sich das so ergeben.

Eine Freundin hat mir den Casting-Aufruf weitergeleitet. Ich hatte Lust mich auch mal zu bewerben und hab es dann ganz spontan auch versucht!

Meine Mutter hat mitbekommen, dass es dieses Projekt gibt und dann wollte ich unbedingt mitmachen.

Wie wurden Eure Ideen in der Produktion umgesetzt?  

Wir wurden immer ermutigt unseren eigenen Impulsen zu folgen und zu beschreiben, welche Elemente in bestimmten Szenen besonders aussagekräftig für uns sind. Dadurch sind schon viele lustige und spannende Szenen entstanden. Insgesamt empfinde ich den Entwicklungsprozess des Stücks als sehr organisch.

Meistens gab es Aufgaben, die viel Spielmöglichkeiten baten um Ideen auszuprobieren. Aber auch Platz für Fragen und Meinungen wurden geschaffen.

Also eigentlich war es super! Unsere Ideen wurden toll eingebracht und egal wie, egal was, Dominic, Susanne, Male und Tim haben immer was Tolles daraus gemacht.

Wie hast du das Miteinander im Team erlebt?

Es ist unglaublich. Alle in der Gruppe sind sooo nett. Obwohl fast alles über den Computer stattgefunden hat, habe ich doch das Gefühl, dass wir zu einer tollen Gruppe zusammengewachsen sind.

Anders als wenn wir live geprobt hätten. Dadurch konnte man sich mit niemanden kurz mal unterhalten.

Ich habe immer noch nicht alle anderen MitspielerInnen „in echt“ kennen lernen können, weil wir nur in kleinen Gruppen live proben dürfen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir uns alle mittlerweile sehr gut kennen. Ich weiß, wer in welchem Zimmer sitzt und wer schonmal verschläft oder ein spezielles Hobby hat. Trotz Abstand und Online-Proben sind wir als Gruppe zusammengewachsen.

Wir sind eine tolle Gruppe, sehr bunt. Alle achten aufeinander, und es ist eine tolle Stimmung.

Was nimmst du aus dieser Zeit der Produktion von Unterm Rad persönlich mit?

Hm… Schwierige Frage, aber ich glaube das das Theater nicht von Auswendiglernen lebt, sondern von Spontanität und Ideen.

Ich habe viele neue Freunde gefunden. Ich denke, dass ich jetzt auch öfter neue Sachen ausprobiere.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.  Die gesamte Proben- und Aufführungsphase läuft völlig anders, als es geplant war und trotzdem entsteht gerade ein Theaterstück, bei dem ich sehr stolz bin mitwirken zu dürfen. Es ist sehr vielfältig und lebendig und das trotz Proben über Zoom usw. Ich habe den Eindruck es ist wesentlich mehr Online möglich, als man oft denkt, wenn man bereit ist zu experimentieren.

Das man trotz Corona, Zoom und vielen Menschen sehr gute Ergebnisse und viel Spaß vor dem Computer haben kann und das Rad nochmal ganz neu erfinden darf.

Du und Schule…

In unterm Rad geht es um einen Schüler, der sich an den schulischen Rahmen mit all seinem Stress und Versagensängsten anpasst. Gibt es so einen Schüler auch in dir?

In der Schule ist es immer nötig sich anzupassen um mitzukommen. Wer auf gezielte Art lernt und das Gelernte abspulen kann, entspricht den schulischen Anforderungen und gilt als guter, schlauer Schüler. Wie man zu diesen Noten kommt und was das für persönliche Opfer, wie Hobbies, Familie, Gesundheit, etc. bedeutet, fällt ja nicht ins Gewicht. Ich kann Stress und Versagensangst gut nachempfinden, die beziehen sich für mich aber oft eher darauf, wie ich zusätzlich meinen persönlichen Bedürfnissen nebenbei gerecht werden kann, ohne dass etwas hinten runterfällt.

Ja, ich mache mir auch oft Stress, dass etwas klappen muss, wenn ich es noch nicht so gut kann. Außerdem habe ich oft Angst vor den Klassenarbeiten. 

Nein! Überhaupt nicht.

Ständig. Der größte Kritiker und Stress-Macher sitzt doch immer in einem Selbst. Die andern (Schüler:Innen, Lehrer:Innen, Eltern, Freunde, Zuschauer:Innen, Regisseur:Innen) nicht zu enttäuschen ist nicht so schlimm wie von sich selbst enttäuscht zu werden.

Welche Probleme in der Schule existieren vielleicht heute genauso wie zurzeit Hesses? Ist der Roman Deiner Meinung nach heute noch aktuell? 

Ich finde den Roman sehr aktuell. Hans beschreibt Migräne vom vielen Lernen, fühlt sich unglücklich und hat das Bedürfnis, dass ihm doch endlich mal ein Erwachsener zuhören möge. Der Spaß am Lernen scheint für ihn völlig verloren zu gehen. Ich glaube vieles ändert sich, aber trotzdem ist das Leben von Kindern und Jugendlichen oft von Erwachsenen entworfen worden, die kein Gespür dafür haben, was langfristig überhaupt wichtig ist und wie man Schule und Freizeit in gleichen Teilen braucht.

Ich denke, dass es genauso ist, dass Schüler unterschiedlich schnell sind und manche dann irgendwann einfach nicht mehr mitkommen. Außerdem leiden viele Schüler unter Druck, deshalb denke ich, dass der Roman auch heute noch aktuell ist.

Ich glaube, dass manche Schüler den gleichen oder ähnlichen Stress heutzutage noch durchmachen. Der Druck etwas zu werden, etwas zu werden was dich weiterbringt, was von der Gesellschaft anerkannt wird und dich gleichzeitig auch noch glücklich macht, prallt täglich auf einen ein. 

Keine Ahnung. Ich glaube nicht, dass der Roman noch aktuell ist, deshalb ist er aber nicht schlechter.

Welche Probleme aus dem Roman haben sich bis heute nicht geändert? Welche neuen Probleme sind dazu gekommen?

Der Schulstress auf jeden Fall.

Ich glaube Mobbing.

Viele Kinder leiden immer noch unter Druck, denn einige Eltern erwarten von ihren Kindern eine bessere Leistung, als sie schaffen können. Neu dazugekommen ist Mobbing.

Ich glaube der Zeitdruck schon am besten sofort zu wissen, was man werden will spielt eine große Rolle. Sich auszuprobieren, mal etwas falsch zu machen oder etwas zu machen was überhaupt keinen Nutzen mit sich zieht, dafür ist einfach kein Platz da. Viele Schüler und Kinder haben manchmal solange Unterricht, dass ein Hobby schon schwierig ist unterzubringen und wenn doch ist es meistens schon 19 Uhr, dann müssen noch die Hausaufgaben gemacht werden und dann schnell ins Bett. Zeit um zu reflektieren, auszuruhen oder auszuprobieren sehe ich da manchmal nicht.

Du und Corona…

Wie liefen die Proben unter Corona Bedingungen ab?    

Eigentlich gut, wir brauchten alle einen negativen Schnelltest, und die Masken durften wir Schauspieler meistens auslassen.

Meistens waren die Proben über Zoom, aber wir durften auch mal in Kleigruppen auf die Probebühne/Bühne.

Meistens wurden wir in Gruppen aufgeteilt. Wir haben dann erst per Zoom gearbeitet und dann auf der Bühne weiter. Die Gruppen wurden jedoch immer wieder von Arbeitsaufgabe zu Arbeitsaufgabe gemischt, dadurch hatte man die Gelegenheit mit allen mindestens einmal zu arbeiten.

Hatte die Corona-Situation für dich auch etwas Positives?

Ja, auf jeden Fall. Wir konnten z.B. im freien Gelände drehen, an den Fluss gehen, usw. Sowas wäre bei einer normalen Aufführung nicht gegangen.

Ohne Corona wäre ich glaube ich nicht Teil dieses Projekts. Auch die Einstellung zu Theater per Zoom hat sich bei mir verändert. Durch die Arbeit mit Zoom und der Distanz glaube ich hatten wir die Chance etwas ganz anderes zu machen als wenn wir uns alle sofort getroffen hätten. Meine Wertschätzung gegenüber Theater machen zu dürfen und zu merken wie sehr es mir doch fehlt.

Ich hatte mehr Zeit mit meinen Eltern.

Ich konnte im vergangenen Jahr zwar nichts von dem machen, was ich mir vorgenommen habe, aber dafür bin ich jetzt hier am Theater Bonn gelandet. Ich glaube manchmal führen (unfreiwillige) Planänderungen auch zu sehr spannenden Erlebnissen und während es immer noch schade ist, dass ich Reisen absagen musste usw., habe ich eigentlich nicht das Gefühl etwas weniger Interessantes zu machen. Es ist eben anders, als das was ich erwartet hätte.

Durch die Onlineproben konnten man auch mal andere Perspektiven austesten. Man konnte zum Beispiel gut mit Nähe und Ferne spielen.

Was ist das Erste, was du gerne wieder sorgenfrei machen wollen würdest? Was fehlt dir am meisten? 

Ich möchte meine Freunde und meine Familie wieder normal sehen können.

Ohne Maske wieder Sport machen.

Tanzen gehen, Kino, Theater, Konzerte, eigentlich alles, was mit Kultur zu tun hat – Hauptsache raus!

Meine Abschlussfeier nachholen, alle Menschen wiedersehen, umarmen und tanzen. Meine Oma in den Arm nehmen und von ihr wieder auf die Stirn geküsst werden. Mit Freunden unbeschwert im Café sitzen und nicht mehr über Maßnahmen nachdenken müssen. Wieder auf der Bühne stehen und sich anfassen dürfen.

Katharina Wigger & Kim Sterzel

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