Die Schule hat wieder angefangen und das Wetter ist über lange Phasen auch nicht so, wie man es sich eigentlich vom August erhofft – sprich der Sommer geht zur Neige. Damit einher geht aber der Beginn der neuen Spielzeit des Theater Bonns. Wir wollen hier einen kurzen Überblick über die insgesamt 14 neuen Theaterproduktionen bieten, auf die wir uns in der neuen Spielzeit freuen können.
Die neue Spielzeit steht unter dem Thema der gegenwärtigen Welt zwischen Klimakatastrophe und Kapitalismuskälte. Ganz in diesem Sinne ist die erste Premiere „Von Mäusen und Menschen“(1. September) nach dem Roman von John Steinbeck. Dieses Werk ist eine typische Beschreibung des American Dream. Das Stück wird von Hausregisseur Simon Solberg inszeniert.
Daneben wird es im September noch zwei weitere Premieren geben. Zum einen „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ von Erich Kästner (22. September) und zum anderen „Was fehlt uns zum Glück“ (23. September), welches auf dem Fragebogen von Max Frisch beruht. Während ersteres kaum einer Vorstellung bedarf, handelt es sich bei letzterem um ein recht ungewöhnliches Projekt der Regisseurin Katrin Plötner, die damit erstmals am Theater in Bonn debütiert. Ensemble und Publikum machen sich hierbei gemeinsam auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, die Frisch vor 50 Jahren erstmalig veröffentlichte. Er selbst gibt darauf keine – es bleiben von den LeserInnen (oder in diesem Fall dem Publikum) zu füllende Leerstellen.
In einem weiteren Wechsel aus Klassiker und Uraufführung folgt im November „Woyzeck“ (10. November), der dieses Mal von Sarah Kurze inszeniert wird. Uraufgeführt wird „Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“ (16. November) nach dem gleichnamigen Roman von Yade Yasemin Önder. Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach ihrer Identität, die im ständigen Kampf mit ihrem Körper und der Diagnose Bulimie steht. Es geht um Körperbilder und eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung. Inszeniert wird das Stück von Emel Aydoğdu.
Aufgelockert wird dieses doch recht schwere Repertoire durch die Komödie „Der nackte Wahnsinn“ (1. Detember) von Michael Frayn, in dem das Publikum ein neues Theaterstück von der Generalprobe bis zur letzten Aufführung im Stile von „Täglich grüßt das Murmeltier“ immer und immer wieder erlebt, allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven.
In „Die Kinder“ (19. Januar) von Lucy Kirkwood tritt das Spielzeitthema der Klimakrise wieder mit voller Wucht zu Tage. Nach einer Reaktorkatastrophe (die doch sehr an Fukushima erinnert) kommen Fragen der Generationenverantwortlichkeit auf.
Nachdem mit Ibsens „Nora“ (26. Januar) auch im neuen Jahr ein Klassiker Premiere feiern wird, handelt es sich bei „Die Legende von Paul und Paula“ von Ulrich Plenzdorf (23. Februar) um eine musikalische Produktion, laut Ankündigung „mit Songs von Gundermann bis Rio Reiser“. Explizit für ein junges Publikum ab 14 Jahre ist „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf (8. März) konzipiert. Die genaue Umsetzung bleibt allerdings noch abzuwarten. Nicht nur für, sondern gerade auch mit jungen Leuten wird „Die Zeitmaschine“ nach dem Roman von H. G. Wells in einem partizipativen Stück von Dominic Friedel auf die Bühne gebracht (6. April).
Ebenfalls eine Zeitreise wird das Publikum in „Archetopia“ erleben, das von Simon Solberg inszeniert wird (26. April). Hierin werden die letzten 2000 Jahre Menschheitsgeschichte auf ihr Utopie-Potential untersucht. Es wird danach gefragt, was sich lohnt mit in die Zukunft zu nehmen und was besser in der Vergangenheit zurückgelassen werden sollte.
In etwas anderer Weise beschäftigt sich das Rechercheprojekt „Treibgut des Erinnerns“ von Verena Regensburger (27. April) mit der Vergangenheit. In diesem Projekt geht es um die Komplexität des Erinnerns und des Gedächtnisses.
Den Abschluss macht „Frauen vor Flusslandschaft/ Flut“ (7. Juni) nach dem Roman von Heinrich Böll mit einem Postskriptum von John von Düffel, welches von Schauspieldirektor Jens Groß inszeniert wird.
Neben den neuen Produktionen werden natürlich diverse Stücke wiederaufgenommen. Dazu zählt unter anderem „Die Glasmenagerie“, die bereits zum dritten Mal wieder aufgenommen wird und sich weiter großer Beliebtheit erfreut.
Insgesamt blickt das Theater auf einen sehr erfolgreichen Winter zurück und verspricht sich einiges von der neuen Spielzeit. Dies soll auch durch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sparten, aber auch zwischen verschiedenen Theatern erfolgen.
Zudem gibt es im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie des Theaters eine weitere Neuerung: Der Printbereich soll stärker eingeschränkt und der Spielplan mehr digitalisiert werden. Hierzu wurden kleine Hörtrailer zu den anstehenden Produktionen vom Ensemble eingesprochen, die sich auf der Website des Theaters anhören lassen und die direkt Lust auf die neuen Stücke machen. Insofern lässt sich die verbleibende Wartezeit sicherlich mit dem ein oder anderen Hörtrailer überbrücken…
Katharina Wigger
